Nur noch eine Woche in Maroua. Oh Gott, langsam registriere ich es. Spaetestens
seitdem ich gestern einen Wochenplan geschrieben habe, um auch ja nichts zu vergessen und um zu beschliessen wann ich wem wann Tschuess sage, wann noch mal auf den Markt, wann dies, wann jenes.
Habe mir eben noch mal die Bilder von meinem Abschied in Deutschland angeschaut. Da kam natuerlich Vorfreude auf.
Ja, ich freue mich. Aber ich muss sagen, mir ist auch etwas mulmig bei der Sache.
Wenn man in ein fremdes Land zieht, spricht man vom Kulturschock. Was ist aber, wenn man zurueckkommt und einem das eigene Land fremd geworden ist? Nach einem Jahr Kamerun werden mir gewisse Dinge fremd sein, werde ich mich wieder umgewoehnen muessen. Das nennt man dann Reversal-Kulturschock.
Zum Beispiel:
Wer als Deutscher nach Kamerun kommt, ist erst mal geschockt vom autoritaeren Erziehungsstil hier. Im Grossteil der hier ansaessigen Familien haben die Kinder zu gehorchen, wenn nicht, droht der Rohrstock. Es wird hauefig nicht erklaert, warum bestraft wird, ausser, dass man es verboten hat. Es gibt natuerlich auch einige Ausnahmen, vorwiegend in kleineren –wohlhabenden und gebildeten- Familien (Bei 12 Kindern hingegen ist es natuerlich deutlich schwerer, es anders zu handhaben).
Gruende… Keine Zeit, zu anstrengend, irgendwie man muss auch noch sich selbst verwirklichen und das eigene Leben leben…
Das finde ich natuerlich nicht toll. Trotzdem war ich verwirrt, als ich hier eine deutsche Familie mit ihren aufblasbaren Matten und Taucherbrillen beim Baden im Swimmingpool eines Hotels beobachtet habe. “Lasst das Kinder, das moechte ich nicht. Das koennte die anderen Badegaeste stoeren!” ………..”FRIEDRICH, ich habe keine Lust es drei Mal zu sagen! Komm jetzt bitte da raus!”
Irgendwie war ich diesen Erziehungsstil schon gar nicht mehr gewoehnt und empfand ihn als leicht merkwuerdig, auch wenn er natuerlich meist besser ist… Ich verteidige immer noch diese Art.
Jetzt kommt ein Kameruner nach Deutschland.
Und erfaehrt von Altersheimen…
Alte Menschen, koennen nicht mehr. Sind schwach, koennen kaum noch laufen, im Extremfall dement.
Gruende sie ins Altersheim zu stecken… Keine Zeit, zu anstrengend, irgendwie man muss auch noch sich selbst verwirklichen und das eigene Leben leben…
Der Kameruner sagt dir: Wie kannst du deine eigenen Eltern in ein Heim abschieben ? Das sind immerhin deine Eltern! Sie haben dich gewindelt, als du dir die Hosen vollgekackt und uriniert hast, und du fuehlst dich ohne Verantwortung ihnen gegenueber? Hast du denn keinen Respekt dafuer was sie fuer dich getan haben? Frueher haben sie sich um dich gekuemmert, jetzt bist du dran. So ist das eben.
Wir sehen das so selbstverstaendlich an unsere Eltern in ein Heim abzugeben, aber auch nur, “weil es eben so ist.” Die Kameruner erziehen ihre Kinder auch so, wie sie es eben tun, “weil es hier in Afrika eben so ist”.
Je vais faire comment? C’est comme ca, l’Afrique. (Was soll ich denn machen? So ist Afrika nun mal.)
Wie oft habe ich diesen Satz schon gehoert und mich darueber aufgeregt?
Aber wenn ich es mir genau ueberlege, sagen wir uns das in Deutschland auch jeden Tag.
